Die Übergabe des Brandbriefes an den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter
Die Übergabe des Brandbriefes an den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter

Offener Brief und Protest: Münchens Taxi-Branche schlägt Alarm

In einem beispiellosen Appell hat sich das Münchner Taxigewerbe mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter gewandt. Unterstützt wurde das Schreiben von zahlreichen Taxiunternehmerinnen und -unternehmern, die die aktuelle Politik gegenüber Plattformanbietern wie Uber und Bolt scharf kritisieren. Begleitet wurde die Aktion von einer Protestfahrt durch die Innenstadt, die trotz behördlicher Einschränkungen ein sichtbares Zeichen setzte.

Die zentrale Forderung des Schreibens: Die Stadt München müsse endlich entschlossen gegen unfaire Wettbewerbsbedingungen im Mobilitätssektor vorgehen. Während das Taxi weiterhin strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegt – von der Beförderungspflicht über die Rückkehrpflicht bis hin zu Tarifbindungen – würden Mietwagenfirmen, die mit Plattformen wie Uber oder Bolt kooperieren, systematisch Regeln umgehen. Die Konsequenz sei ein massives wirtschaftliches Ungleichgewicht, das zunehmend Existenzen im Taxigewerbe bedrohe.

In dem offenen Brief an OB Reiter (PDF) heißt es deutlich: Wenn sich nichts ändere, werde das Taxi nicht irgendwann verschwinden – es verschwinde jetzt. Der Brief listet konkrete Kritikpunkte auf, darunter die unzureichende Kontrolle der Rückkehrpflicht bei Mietwagen, das Fehlen eines Mindestbeförderungsentgelts und die passive Haltung der Stadt gegenüber wiederholten Gesetzesverstößen durch Plattformunternehmen.

Ein weiteres Schreiben richtete sich an den Verband der Automobilindustrie (PDF). Darin wurde deutlich gemacht, dass sich das Taxigewerbe nicht länger als symbolische Kulisse für politische Events wie die IAA missbrauchen lasse, während gleichzeitig in der Realität die Arbeitsbedingungen von tausenden Fahrerinnen und Fahrern untergraben würden. Das Schreiben fordert ein klares Bekenntnis zum Taxi als Teil nachhaltiger urbaner Mobilität.

Die Redaktion der Taxi Times bewertet den Brief als einen „Hilferuf der letzten Stunde“. Ursprünglich war eine Protestfahrt mit rund 100 Taxis geplant – genehmigt wurden letztlich nur 30 Fahrzeuge. Doch auch diese begrenzte Aktion sorgte für Aufmerksamkeit in der Stadt und verdeutlichte, dass der Unmut in der Branche tief sitzt.

Das Taxigewerbe fordert klare Konsequenzen: Wer wiederholt gegen gesetzliche Vorgaben verstößt, dürfe nicht weiter mit städtischer Genehmigung auf den Straßen operieren. Statt eines schleichenden Sterbens brauche es eine Mobilitätspolitik, die fairen Wettbewerb ermöglicht und das Taxi nicht als Auslaufmodell behandelt, sondern als essenziellen Teil der Daseinsvorsorge anerkennt.

Die vollständigen Schreiben stehen hier als PDF zur Verfügung:

📰 Zum Artikel der Taxi Times


Veröffentlicht von „Taxi ist wertvoll“ – Plattform für faire Mobilität und politische Aufklärung im Taxigewerbe.

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